[Allegro] Re: BWV, Hoboken u. Co.

Thomas Berger ThB at Gymel.com
Mo Feb 11 12:18:33 CET 2013


Lieber Herr Eversberg, liebe Liste,

>> Ich fand
>>
>> http://www.klassika.info/kataloge/kataloge.pdf
>>
>> hilfreich, weil dort auch die bibliographischen Kernangaben zu verschiedenen
>> Auflagen stehen.
>>
>> Gelernt habe ich auch: Die meisten Verzeichnisse sind als "H" oder "K"
>> abgekuerzt, zu einigen Komponisten gibt es mehrere aktuell relevante
>> Werkverzeichnisse.
>>
>> Ich habe angefangen, unter der Adresse
>> < http://beacon.findbuch.de/downloads/owv/ >
>> BEACON-Dateien "Komponist -> Link auf /vollstaendige/, online vorhandene
>> Werkverzeichnisse" aufzubauen, ausgewertet dabei bereits die Linklisten:
>>
> ...
> 
> Sicher, das ist alles ganz interessant. Ich weiß nur nicht, wieviel
> Aufwand man für Katalogzwecke treiben sollte auf dem Gebiet.

Gar keinen: Der Katalog ist kein Instrument zur Weltherrschaft und
es ist nicht damit getan, irgendeine Art Normdatei irgendwo komplett
zu integrieren und dann ist Ruhe im Karton.

Damit soll nichts gegen die in die GND aufgegangene DMA-EST-Datei
gesagt werden, denn natuerlich ist es eine der wichtigsten Aufgaben
des Katalogs, die beschriebenen Werke zu identifizieren und das
passiert ueberwiegend dadurch, dass im Prozess der Katalogisierung
intellektuell gegen eine "bekannte Liste" abgeglichen wird, z.B.
eine allgemein verbreitete Liste von Einheitstiteln.

Man darf allerdings nicht erwarten, dass so eine Normdatei irgendeine
Form von universeller Norm spiegelt oder selber universell normierend wirkt.
Labels, Discographen, Musikverleger, Musikologen, Bibliothekare anderer
Sprachkreise etc. werden sich innerhalb ihrer ueberschaubaren Communities
u.U. auf Listen und Notationssysteme geeinigt haben, die von der
hier im Katalog genutzten Normdatei gar nicht gespiegelt werden.

Insbesondere eine "allegro"-Bibliothek ist aber im Gegensatz zur
Musikabteilung einer Staatsbibliothek moeglicherweise einem bestimmten
Komponisten oder einer bestimmten nicht-RAK-M-Community verpflichtet
und uebernimmt daher zum Teil andere Konventionen, oder bildet mehrere
simultan ab (oder arbeitet mit Selbst-ausgedachtem).

Daher ist
1. nicht vorhersagbar, welche Inhalte in einem Werknummernfeld auftauchen
2. weder anhand der Notation noch anhand Notation plus Komponist
   sauber rueckschliessbar, welches Werkverzeichnis gemeint ist.

und die Konsequenz ist m.E.
a) selbst wenn wir wollten koennten wir keine Liste aller erlaubten
   Notationen und Alternativnotationen fuer dasselbe Werk im Sinn
   eines Thesaurus hinterlegen
b) es ist aussichtslos, Notationen durch Programmierung einer komponisten-
   oder verzeichnisbezogenen Spezialbehandlung zu unterziehen (etwa bei
   "BWV" stets ein Spatium zu spendieren oder bei "K" stets einen Punkt.
   [Die Bibliothek muss bei den Komponisten, wo sie groessere Bestaende
   hat, auf normierte Erfassung in diesem Zusatzfeld achten, genau wie
   sie auch darauf achten muss, die Nummern nach stets demselben
   Werkverzeichnis zu ermitteln und zu erfassen: Die Maschine /kann/ das
   nicht retten, wenn die Katalogisierer patzen]


> Ist natürlich schön, schnell mal per Web-Service eine Nummer ermitteln
> zu können. Wenn das mit Ihrem Ansatz geht, GND-Nummer vorausgesetzt, na
> dann gut.

Mir war frueher schon aufgefallen, dass im MUGI-Lexikon viele Artikel
mit Werkverzeichnissen versehen waren, aber bei weitem nicht alle. Und
bei Ihrem classix-Werkverzeichnisindex (Blaettern uebrigens nicht
moeglich: Problem mit der Umcodierung bei #-<irgendwas>?) (also nicht
dem Werknummernindex, an dem die Diskussion begann) wird sehr schoen
deutlich, dass es eine schicke Sache ist (fuer Nutzer und fuer
Katalogisierer), aber gar nicht trivial zu ermitteln und die vielen
toten Links zeigen, dass solch eine Sammlung von Weblinks zu pflegen
ein paar Nummern zu gross fuer einen einzelnen Katalog ist. Und -
es gibt ja auch auf eine Person bezogen nicht /das/ international
und ueberall gebraeuchliche - vermutlich ist es sogar jenseits der
Moeglichkeiten der GND, solch schicke Links im Normsatz zu hinterlegen.
Auch FRBR und RDA werden da wenig helfen, "brauchbares Werkverzeichnis"
oder "Transkript eines wissenschaftlich anerkannten Werkverzeichnisses"
waeren ja zu spezialisierte Attribute von Werk-Person-Relationen um
nennenswerte Verbreitung zu finden.

Umgekehrt kann man sich aber weltweit sehr schnell ueber den Komponisten
"Beethoven" und das Konzept des "Werkverzeichnis" einig werden und
daher ist so eine Linkliste (zweispaltig: Person und URL oder dreispaltig:
Person, Beschreibung des bei der URL kommenden, URL) ein praktisches
Vehikel, solch "schicke" Information aus den Katalogisaten und sogar aus
der Normdatei herauszuhalten und dennoch zu nutzen.
Und wenn man dann einen einzelnen Brief von Violeta Dinescu im Katalog hat,
dann fuegt "Werkverzeichnis online" dem vielen Wissenswerten und nicht im
eigenen Katalog verzeichneten (und nicht von den eigenen Katalogisierern
gewussten) noch eine Facette hinzu:

<
http://vlb-portal.vorarlberg.at/cgi-bin/fmfa/fmfa.pl?t_tunnel=idn&idn=GND:11939314X
>

viele Gruesse
Thomas Berger



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