[Allegro] Zum Thema GND. 1. Um was geht es?

Bernhard Eversberg ev at biblio.tu-bs.de
Do Mär 29 11:40:20 CEST 2012



In mehreren Teilen soll die Sache dargestellt und die für allegro
sinnvollen Lösungswege erörtert werden. Zunächst ein paar allgemeine
Vorbemerkungen - nicht jeder wird sich schon einmal mit dem Thema
Normdaten näher befaßt haben. [Falls doch: morgen wird's konkreter.]

1. GND : Um was geht es?
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Gönnen wir uns zuerst einen Adrenalinstoß, indem wir uns mit einem
ungeschminkten GND-MARC21-Datensatz konfrontieren: (in der Textform,
wie man sie mit dem Hilfsprogramm  marcedit  erhält)


=LDR  01014nz  a2200277n  450
=001  000090433
=003  DE-101
=005  20110330120102.0
=008  890418n||aznnnabbn\\\\\\\\\\\|\ana\\\\|c
=024  7\$ahttp://d-nb.info/gnd/9043-8/about$2uri
=035  \\$a(DE-101)000090433
=035  \\$a(DE-588)9043-8
=035  \\$z(DE-588b)9043-8$9v:zg
=040  \\$aDE-1$9r:DE-1$bger$d1210$erakwb$frswk
=043  \\$cXA-DE
=079  \\$ag$bb$c1$qf$vkiz
=110  2\$aHerzog-Anton-Ulrich-Museum
=377  \7$ager$2iso639-2b
=410  2\$aAnton-Ulrich-Museum
=410  2\$aKunstmuseum des Landes Niedersachsen
=410  2\$aHAUM$4abku$wr$iAbkuerzung$eAbkuerzung
=410  2\$aHerzog Anton Ulrich-Museum Braunschweig$4nauv$wr$inauv$enauv
=510 
2\$0(DE-101)99741104X$0(DE588)16024508-4$aLandesmuseum$9g:Braunschweig$4vorg$wr$iVorgaenger$eVorgaenger
=548  \\$a1928-$4datb$wr$idatb
=551  \\$0(DE-101)000428086$0(DE-588)42808-5$aBraunschweig$4orta$wr$iOrt
=670  \\$atelM
=913  \\$Sgkd$ia$aHerzog-Anton-Ulrich-Museum $0(DE-588b)9043-8

Nebenbei: Nicht alles, was man hier sieht, würde in einem Datensatz
der LC genauso aussehen oder überhaupt vorkommen. Feldnummern
mit '9' (hier 079 und 913) gehören z.B. nicht zum offiziellen MARC.
Und: Nicht alles, was man hier sieht, ist - obschon's "von oben" kommt -
nützlich und wichtig. (Wer klug ist, hört auch hier auf Kant, und
braucht den eigenen Verstand.)

Warum ein neues Format?
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An der Benutzeroberfläche, der Schnittstelle zwischen der natürlichen
und der künstlichen Intelligenz, fällt es unangenehm auf, daß die
künstliche, also der Computer, erstens die natürliche Sprache nicht
beherrscht und deshalb zweitens auch nicht mitdenken kann. Um
begriffliche Klarheit, um Definitionen, Abgrenzung und Zuordnung
von Wörtern und Ausdrücken, insbes. Namen, und um deren genaue
Schreibweise, haben wir noch immer selber zu ringen, die Technik
unterstützt uns dabei nur in höchst formaler Weise und kann
inkonsistente Dateneingaben nicht mit überlegener Kennerschaft
vereinheitlichen. Ein Datenformat mit strengen Regeln ist dazu nötig
und von den eingebenden Menschen zu befolgen. Er, der Computer,
braucht aber neben den für uns verständlichen verbalen Ausdrücken
eine Menge codierte Angaben - wie man oben sieht - und die muß man
ihm alle mit Sinn und Verstand eintrichtern.

Bislang gab es für den Austausch solcher Daten vier MAB-Formate:
je eins für Personen, Körperschaften, Schlagwörter und Musikwerke.
Künftig ist alles in einem Datenbestand, der GND heißt, und es gibt
als Austauschformat nur noch MARC21, Version "Authorities".
Innerhalb von Pica-Systemen sehen die Daten im Bearbeitungsformat
Pica3 etwas anders aus, aber sehr ähnlich.

Das neue Format orientiert sich am Denkmodell der "Functional
Requirements for Bibliographic Records" (FRBR), welches auch zu
den RDA-Grundlagen gehört, im Grunde und der Intention nach aber auch
schon das logische Fundament der RAK+RSWK war, die es nur noch nicht in
so treffliche Maximen gefaßt hatten.
RDA soll, platt gesagt, am Ende beide ablösen, Formal- und verbale
Sachkatalogisierung also, seine Kapitel zur Sacherschließung
sind im Moment aber noch leer.

Im 2. Teil (morgen) gehen wir etwas näher ran und fragen genauer:

o Was sind und was sollen Normdaten?

o Was für Datenelemente braucht ein Normdatensatz?



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