Hurra, hurra, MAB2 ist da!

Bernhard Eversberg EV at buch.biblio.etc.tu-bs.de
Mo Jan 22 08:08:35 CET 1996


Hurra, hurra, MAB2 ist da!

Die vor kurzem erfolgte Veroeffentlichung des in seiner nationalen
Bedeutung kaum zu ueberschaetzenden MAB2 ist uns Anlass und Verpflichtung,
die Formate-Datenbank zu aktualisieren, so dass sie nun so weit als
irgend moeglich ein vollstaendiges und getreues Abbild der neuen
Formatversion enthaelt. Es wurde die Anstrengung unternommen, nicht
nur schlicht die neuen Felder einzugeben, sondern alle Aenderungen alter
Felder sowie Ungueltigmachungen sichtbar werden zu lassen, so dass die
Datenbank zugleich eine Konkordanz Alt<->Neu mit einschliesst.
Rigorose Revision und Verbesserung der Parameter fuer Anzeige und
Indexierung waren vonnoeten und wurden durchgefuehrt.

Vieles ist neu, viel hat sich geaendert, manche Brueche und Inkonsistenzen
wurden wurden behoben, vor Abschaffungen wurde nicht zurueckgeschreckt. 
Alles das hier zu referieren waere muessig, es ist laengst mehrfach 
veroeffentlicht und steht natuerlich im neuen Format-Handbuch alles 
drin, auf saeurefreiem Papier und durch extrem robuste Ringmechanik
zusammengehalten. Beschraenken wir uns auf wenige Dinge, die nicht drin 
stehen - wohl weil sie sich nicht geaendert haben:

1) Konsequent und mit Ideenreichtum wird die gefuerchtete Teilfeldtechnik
   vermieden. Dabei ist sogar eine ganz neue Loesung gelungen:
   Die neuen Felder 814 und 815 des PND-Formats verfuegen ueber einen
   Indikator v (fuer Bemerkungen), und 814v sowie 815v koennen mehrfach
   vorkommen. Es muss jeweils eine 814x bzw. 815x mit anderem Indikator x
   vorangehen, zu dem dann die 814v bzw. 815v inhaltlich dazugehoert.
   So konnte man vermeiden, ein Teilfeld einzufuehren. Und hat eine 
   Konstruktion erfunden, die man sogar mit "allegro" nicht machen
   kann.
   Ein 1994 schriftlich eingereichter Antrag auf Einfuehrung der Teil-
   feldtechnik wurde uebrigens mit der Begruendung abschlaegig beschieden,
   dann wuerde man eine Flut von Aenderungsantraegen ausloesen. Eine be-
   merkenswerte Einschaetzung der Qualitaet des Formats.

2) Unbeirrt wird am Konstrukt der "Periodengruppe" festgehalten (=Feld-
   wiederholgruppen mit springenden Nummern), und es wurden neue solche 
   Gruppen eingerichtet, etwa die 800er Nummern, die den Ersatz fuer die
   abgeschafften Nachsaetze bilden. 

3) Weiterhin gibt es 5 Formate statt eines Gesamtformats. Letzteres 
   konnte man mangels weiterer 3stelliger Nummern nicht realisieren.
   Man hatte nicht mehr genug freie Nummern, weil man so viele fuer die
   Periodengruppen brauchte, und die brauchte man ja, weil man keine
   Teilfelder einfuehren konnte. Zwar haette man Buchstaben statt
   Ziffern einfuehren koennen, um neue Kategoriebezeichnungen zu
   gewinnen, aber das erschien wohl doch etwas zu gewagt.
   Die Folge ist, dass man keine echte MAB-Datenbank mit MAB-Stammsaetzen
   und MAB-Lokaldaten konfigurieren kann. (Vielleicht fuehlt sich der eine
   oder andere herausgefordert, es doch zu versuchen. Wir koennen mehr
   als einen Fall nennen, wo es mit MAB1 gescheitert ist, und MAB2 hat
   genau die problematischen Punkte nicht ausgeraeumt.)

4) MAB-Diskette ist noch immer nicht gleichwertig mit MAB-Magnetband:
   Es werden einige Sonderzeichen ersatzlos weggelassen, so z.B. der
   (oder das?) Hacek und das L mit dem polnischen Querstrich.
   Ob jetzt endlich das deutsche scharfe s geliefert wird, oder noch
   immer nur "ss", konnte noch nicht eruiert werden. In Kleinigkeiten 
   will man gerne grosszuegig sein, aber erstens ist es eigentuemlich,
   dass gerade Die Deutsche Bibliothek in der Deutschen Nationalbiblio-
   graphie den deutschesten aller Buchstaben noch nie drucken konnte
   (Wussten Sie nicht? Versuchen Sie mal, eins zu finden!), und zweitens
   hat das fuer's deutsche Bibliothekswesen so unakzeptable MARC in diesem
   Punkt kein Defizit. (Wenn man nachfragt, erfaehrt man, es liege an diversen
   Hard- und Softwareproblemen. Interessiert es, aus welchem Hause die 
   Hardware stammt, und woher die Software?) Zur Beruhigung: EINGEGEBEN
   hat man das scharfe s schon immer, in codierter Form, nur LIEFERN konnte 
   man es noch nie. Deshalb sind auch die DNB-Fremddaten im Pica-Verbund
   frei von diesem Buchstaben.
   Spass beiseite: man wundert sich, dass noch kein Herr Gross und keine
   Frau Bossmeyer, die ihren Namen mit scharfem s schreiben, Die DB verklagt
   haben auf korrekte Schreibung ihres Namens in der DNB. Die Telekom
   kriegt sowas hin in ihren Telefonbuechern, sogar mit korrekter Ordnung.

Wird es eine "allegro" MAB2-Konfiguration geben? Nicht aus Braunschweig.
Denn erstens geht es nicht (siehe 1. und 3.), zweitens ist es aber auch
nicht im Sinne der Erfinder: der MAB-Ausschuss hat nie die Aufgabe gehabt,
ein Format fuer lokale Systeme oder OPACs zu entwerfen. Es steht ja
auch dick und deutlich "Austauschformat" drauf, nichts anderes. Und man
kauft schliesslich auch keinen Moebelwagen, wenn man einen PKW braucht.
Importieren und exportieren, keine Sorge, kann man MAB2, und geeignete
"allegro"-Parameter werden erstellt werden.

Es faellt schwer, keine Satire zu schreiben, und Polemik draengt sich 
maechtig auf, besonders angesichts einer internationalen Situation, wo nun 
das UK-MARC und CANMARC mit USMARC zusammengefasst werden sollen, damit
es nur noch ein MARC gibt. Die Franzosen (!) sind auch schon lange dabei, 
ganz Suedeuropa und Nordeuropa auch, und Osteuropa folgt auf dem Fusse.
Es hilft nichts, wir brauchen MAB, wo MAB etabliert ist und wo es vorlaeufig
keine Alternative dazu gibt. Fuer lokale Systeme allerdings kann die
Devise nur heissen, wenn eine Entscheidung ansteht: MAB meiden.

Ach so, die Datenbank! Sie liegt auf dem FTP unter FORMATE als selbst-
entpackendes Archiv namens FORMATE.EXE. APAC.EXE ist drin enthalten, d.h.
auf dem Rechner muss keine "allegro"-Installation vorliegen, um damit
arbeiten zu koennen. Man startet FORMATE.EXE auf einem eigenen Verzeichnis,
dann entpackt es sich. Mit FORM.BAT startet man die Benutzung.
Freie Weitergabe ist gestattet - im Sinne der gemeinsamen Sache muss 
die Kenntnis des Formatewesens gefoerdert werden.
(Was fuer Vokabeln doch die Computerei hervorbringt: "selbstentpackend"!)

MfG  B.E.




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